Eine quicklebendige Partnerschaft

Polnische Gemeinde Chocz und Bodenkirchen feiern 10 Jahre Partnerschaft

Vor zehn Jahren wurde der Städtepartnerschaftsvertrag zwischen der polnischen Gemeinde Chocz und der Gemeinde Bodenkirchen unterzeichnet. Das war ein würdiger Anlass, ein gemeinsames Wochenende zu verbringen, dessen Höhepunkt ein Fußball-Jugendturnier in Binabiburg war.

Am 20. Oktober 2006 unterzeichneten der damalige Bürgermeister Helmut Wimmer und Bürgermeister Marian Wielgosik von der polnischen Ortschaft Chocz die Partnerschaftsurkunde zwischen beiden Gemeinden. Erste Gespräche gab es bereits im Dezember 2000, aber bis zur Entscheidung über den Abschluss einer Städtepartnerschaft vergingen einige Jahre, in denen man sich gegenseitig besser kennen und schätzen lernte. Das zehnjährige Bestehen der offiziellen Partnerschaft war Anlass, das in einem würdigen Rahmenprogramm zu feiern. Mit 15 Kindern im Alter von 12 und 13 Jahren mit drei Betreuern und einer siebenköpfigen Delegation der Gemeindeverwaltung mit Bürgermeister Wielgosik an der Spitze trafen die Besucher nach einer 850 km langen und 13-stündigen Reise am Donnerstagabend ein. Die Jugendlichen übernachteten in der Georg-Denk-Halle, die Erwachsenen im Wirtshaus zur Bina. Gleich am nächsten Morgen stand eine umfangreiche Besichtigungstour auf dem Programm. DSC00387Zuerst besuchte man die Mittelschule in Bodenkirchen, wo Rektor Alfons Birnkammer verschiedene Klassenräume zeigte und das Schulsystem in Bayern vorstellte. Nach einer kleinen Stärkung ging es weiter zum Solarfeld nach Oberndorf, wo Andreas Engl die Entstehungsgeschichte und die Funktionsweise der Anlage zeigte. Die Besucher zeigten sich beeindruckt von den Ideen und Visionen des Betreibers, was sich auch in vielen Fragen widerspiegelte. Josef Schubert stellte dann

den erwachsenen Mitgliedern der polnischen Delegation die Asylbewerberunterkunft in Bonbruck vor, wobei Erika Eicke aus dem alltäglichen Leben der Flüchtlinge in der Unterkunft berichtete. Gestärkt mit einem bayerischen Mittagessen – Leberkäs und Fleischpflanzerl – ging man dann vom Bürgerstadl direkt in die neue Bonbrucker Sporthalle, wo Planer Bernhard Englmeier das Konzept vorstellte und den Bauablauf schilderte. Hier sah man glänzende Augen bei den Besuchern, die tief beeindruckt waren, was ein Verein mit seinen Aktiven auf die Beine stellen kann und welch schöne Halle ihnen zur Verfügung steht. Anschließend stellte Markus Grinzinger kompetent die Nahwärmeversorgung von Bonbruck vor. Dabei musste er viele Fragen beantworten, weil von polnischer Seite hier reges Interesse herrschte. Nach der Wärmeversorgung war die Wasserversorgung nächste Station. Wassermeister Rudi Pichlmaier vom Wasserzweckverband führte durch das Verbandsgebäude und erläuterte insbesondere auch die Fernüberwachung. DSC00446Und für die Kinder kam dann ein weiterer Höhepunkt: Fußballgolf in Willaberg. Betreiber Franz Ohneis ließ es sich nicht nehmen und stellte selbst die Regeln und den Ablauf vor. Begeistert nahmen die 15 polnischen Kinder die Parcours in Angriff und versuchten mit Glück und Können, die Bahnen möglichst gut zu meistern.

Am nächsten Morgen standen wieder Besichtigungen auf dem Programm. Heimatforscher Peter Käser stellte die Bergkirche St. Salvator in Binabiburg und seine Entstehungsgeschichte vor und auch von diesem baulichen Schmuckstück zeigten sich die Besucher sehr angetan. Nach einem gemeinsamen Gebet trennte sich die Gruppe: während die Jugendlichen sich bei einem Besuch im Bodenkirchener Schwimmbad austoben konnten, besichtigten die Erwachsenen die Biogasanlage von Johann Grötzinger in Hilling. Hier konnten auch die Vorbehalte der Gäste widerlegt werden, dass eine Biogasanlage zwangsweise Geruchsbelästigung nach sich zieht.

Am Nachmittag stand sicher einer der Höhepunkte auf dem Programm: ein Fußballjugendturnier der D-Jugend mit Beteiligung der polnischen Mannschaft als eine von fünf Teilnehmern. Die Sportgemeinschaft Johannesbrunn-Binabiburg um das äußerst rührige Organisationsteam Wolfgang Englmeier, Andreas Hasak und Andreas Suttner hatten aber nicht nur dieses Turnier organisiert, sondern die Jugendlichen mit ihren drei Betreuern von Donnerstag bis Montag in der Georg-Denk-Halle betreut und standen als Ansprechpartner immer zur Verfügung. Für das leibliche Wohl sorgte dabei Duschka Danner. Das Fußballturnier selbst war recht ausgeglichen und die polnische Mannschaft zog sich mit dem dritten Platz mehr als achtbar aus der Affaire. Für die Gäste wurde das Turnier zwischen 15 und 17 Uhr extra unterbrochen, damit sie live das Fußballländerspiel Polen gegen die Schweiz im Rahmen der Europameisterschaft verfolgen konnten. Natürlich war der Jubel groß, als die Nationalmannschaft im Elfmeterschießen gewonnen hatte. Gerade noch rechtzeitig vor dem Sturm und dem Unwetter konnte das Jugendturnier beendet werden. Eine schöne Begebenheit am Rande: Als das Unwetter drohte das Festzelt wegzureißen, packten alle mit an. Auch ohne Dolmetscher wusste man, dass Not am Mann ist, und so legten Deutsche und Polen gemeinsam Hand an und bauten das Zelt trotz stürmischen Wetters soweit ab, dass keine weiteren Schäden entstanden.

Am Sonntag war der Besuch des Schlosses Herrenchiemsee kultureller Höhepunkt, an dem auch deutsche Kinder der Fußballjugend von Binabiburg und Bodenkirchen teilnahmen. Berührend war dabei, als die Kinder auf der Rückfahrt gemeinsam Fußballlieder anstimmten. DSC00588Am Abend beging man die offiziellen Feierlichkeiten, beginnend mit einem Abendessen im Wirtshaus zur Bina. Geschäftsstellenleiter Josef Schubert hielt einen Rückblick auf die Partnerschaft und ließ diese mit einigen Erlebnissen der bisherigen Begegnungen Revue passieren. Sowohl Bürgermeisterin Monika Maier, der polnische Bürgermeister Marian Wielgosik, als auch die beiden ehemaligen Bürgermeiter der Gemeinden zeigten sich in Ihren Ansprachen stolz auf diese hervorragende und mittlerweile auch sehr herzliche Partnerschaft. Zum Abschluss des Festabends trugen sich Bürgermeister Marian Wielgosik und Gemeinderatsvorsitzender Jan Woldanski in das Goldene Buch der Gemeinde ein.

Dank der Dolmetscher Agata Wechmann auf polnischer Seite und Hanna Krzywania, Marcin Jenczmionka sowie Bogusa und Peter Dzionsko auf Seiten der Gemeinde Bodenkirchen konnte man sich ganz gut verständigen. Und wenn man sprachlich nicht weiter kam, ging es neben ein bißchen Englisch eben mit Händen und Füßen weiter. Neben dem großen Einsatz des Teams der SG Johannesbrunn-Binabiburg sorgten Bürgermeisterin Monika Maier, Zweiter Bürgermeister Alfons Betz und Josef Schubert für eine ständige Betreuung. Aber auch andere Gemeinderäte waren immer wieder unterstützend tätig.

Mit spürbarem Wehmut auf beiden Seiten wurde die Delegation am Montagmorgen verabschiedet. Wie Bürgermeister Marian Wielgosik telefonisch nach der glücklichen Ankunft in Chocz mitteilte, berichteten die Kinder ihren Eltern begeistert von den Erlebnissen in der Partnergemeinde Bodenkirchen. Und so wurde hier wohl eine weitere Saat gelegt, dass die Partnerschaft auch in Zukunft wächst und gedeiht.

DSC07015von links: Artur Siwy, Josef Schubert, Piotr Stenzel, Altbürgermeister Helmut Wimmer, ehem. Bgm. Jan Görsik, 2. Bgm. Alfons Betz, 1. Bgm. Monika Maier, Bgm. Marian Wielgosik, Gemeinderatsvorsitzender Jan Woldanski, Elzbieta Tyburska, 3. Bgm. Erwin Fußeder

 

 

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